Produkttest: universe2go – ein Planetarium für unterwegs

Produkttest: universe2go – ein Planetarium für unterwegs?!

WORUM GEHT ES?

Schon häufiger begegnete mir Webung für „universe2go“, einer Art Planetarium für zu Hause. Bin ich meist von Werbung genervt, so war ich hier doch eher mal interessiert.
Eine augmented-reality (Erweiterte Realität) Brille für den Sternenhimmel – ob das funktioniert? Für einen direkten Kauf schreckte mich der Preis von knapp 100€ zunächst etwas ab. Andererseits sind vermeintlich vergleichbare Geräte, wie etwa der Celestron Sky Scout, deutlich teurer.
Aber hey, wozu habe ich einen Blog? Ich nahm also Kontakt zum Hersteller auf, der mir freundlicherweise ein Testexemplar bereitstellte.
Nach wenigen Tagen traf das Paket auch schon ein. Auf geht´s zum auspacken oder auf Netz-Deutsch „unboxing“:

Enthalten sind:unboxing
Die universe2go Brille, ein Stoffbeutel, eine 5-sprachige Anleitung, ein Astroshop/universe2go/Facebook Werbezettel und ein Trageriemen.

DER ERSTE EINDRUCK:

Zunächst etwas durchwachsen… Für die erwähnten rund 100 Euro hält man dann doch recht viel Plastik in der Hand. Wie der Tragriemen an den beiden Seitenschlaufen der Brille befestigt werden soll hat sich mir nicht erschlossen. Offenbar auch keinem anderen und auch nicht dem Hersteller selbst. Weder in der Anleitung, noch in den gut gemachten Hersteller-Werbevideos noch in irgendwelchen anderen Produkttests wird das erläutert oder ist das Teil auch nur zu sehen. Tatsächlich braucht man es aber auch nicht, also zurück in die Packung damit…
Viel mehr gibt es aber auch schon nicht zu kritisieren.

DER ZWEITE EINDRUCK:

Die u.a. deutschsprachige Anleitung erleichtert den Einstieg, wirklich brauchen tut man sie nicht: App downloaden, Smartphone einlegen und starten…

App_Store android

Die Brille funktioniert erst im Zusammenspiel mit einem Smartphone. Apple/iOS (ab iOS7) und Android (ab 4.2) Geräte werden unterstützt. Es ist also notwendig eine, mit aktuell 365MB recht große, App zu laden und zu installieren. Die App ist kostenlos, muss „aber“ mit einem Aktivierungscode freigeschaltet werden, der sich auf der Innenseite der Geräteverpackung befindet – also nicht entsorgen!

soft1soft2

An der Oberseite des Gerätes befindet sich eine große Klappe zu einem Fach, in dem das Smartphone mit der bereits gestarteten App eingelegt werden muss. Schaumstoff-Inletts und Winkel helfen bei der Fixierung. Ist der Deckel später geschlossen stört kein einziger Wackler.

mitiphone

Durch das GPS und dem Kompass des Smartphones kennt die App den Standort und auch die eigene Blickrichtung. Während man selbst, ähnlich wie bei einem Fernglas, durch die Brille durchschaut, wird das Bild des Smartphones in das Sichtfeld projiziert. Und das klappt erstaunlich gut. Mein altes iPhone 4S ist absolut ausreichend.

In der Mitte des Blickfeldes befindet sich ein kleiner Kreis, mit dem die Objekte des eigenen Interesses am Sternenhimmel anvisiert werden sollen. Hat man das durch einfaches Kopfbewegen geschafft, so werden ergänzende Informationen, Bilder oder auch verbundene Sternbildlinien eingeblendet. Ein Erzähler versorgt uns zudem sehr gut verständlich mit weiteren interessanten Fakten. Grundsätzlich bietet die App mehrere Modis.

Quelle: universe2Go
Quelle: universe2go

So kann man z.B. zwischen einem
Entdecker-Modus (Sterne und Sternbilder mit ergänzten Informationen ansehen),
dem Mythologie-Modus (Sternbild-Figuren werden angezeigt und historisch erklärt) und dem
DeepSpace-Modus (für mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Objekte wie Sternhaufen, Galaxien, Kometen…)
wählen.  Damit es für erfahrene Anwender nicht langweilig wird, gibt es zudem auch ein Astronomiequiz, das z.B. Sternbilder anzeigt, die man dann selber am Nachthimmel suchen muss.

Die Fülle an Informationen in Text, Bild und Audio erklärt dann auch die recht umfangreiche App-Größe. Laut Hersteller sind es

  • Kompletter Hipparcos-Katalog (ca. 120.000 Sterne)
  • Messier-Objekte und kompletter NGC-Katalog
  • Speziell aufgearbeitete Bilder: Planeten, 150 Deep-Sky-Objekte, Kometen und Satelliten
  • Audioguide: Alle 88 Sternbilder, Beschreibung und Mythologie, Planeten, 120 Deep-Sky-Objekte, Satelliten und 30 der hellsten Sterne – insgesamt über 3 Stunden!

Wie bedient man aber das Gerät, wenn das Smartphone doch im inneren liegt? Hier hat sich der Hersteller einen netten Kniff einfallen lassen. Schaut man bei der Benutzung normalerweise nach oben, so aktiviert man das Menü, in dem man auf den Boden schaut. Richtet man dann den Blick wieder in die Horizontale, so kann man mit Kopfbewegungen (links, rechts, etwas hoch, runter) die Gewünschten Menüpunkte anwählen. Anfangs wünscht man sich zwar doch lieber mechanische Druckknöpfe, aber mit etwas Übung geht es recht leicht von der Hand bzw. vom Kopf.

FAZIT:

Sehr empfehlenswert!

In den letzten Wochen (Danke an den Hersteller für die Geduld…!) habe ich das Teil öfters mal rausgeholt, mein Teleskop blieb jedoch drinnen. Gerade als Leittragender der städtischen Lichtverschmutzung „sehe“ ich dann doch mehr als ich es mit meinem Teleskop könnte. Astronomie-Einsteigern kann das Gerät bei der Orientierung am Nachthimmel viel hilfe leisten und weiteres Interesse wecken. Für die Hosentasche ist es zu groß, aber dennoch klein genug, um es leicht transportieren zu können.
Die Brille selbst ist zweckmäßig und funktioniert gut. Das Plastikgehäuse gefällt mir nicht so recht. Eine etwas fettige Haut der Nase und Stirn oder feuchte Finger malen sich leicht etwas unschön ab. Dafür ist sie materialbedingt angenehm leicht. Beim Transport sollte man besser Voricht walten lassen. Stärkere Stöße dürfte das Gerät wohl nicht verkraften. Ob ich für mehr Geld eine höherwertige Verarbeitung kaufen würde wage ich aber auch zu bezweifeln.

Insbesondere die Kombination mit der wirklich guten App, und der für mich sehr gelungene Einsatz von AR (Ingress und Pokemon GO lassen grüßen) haben mich wirklich überzeugt.

Klare Kaufempfehlung!

Mehr Infos gibt es beim Hersteller

 

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2 Kommentare zu “Produkttest: universe2go – ein Planetarium für unterwegs

  1. Danke für den Artikel. Bin selber leider noch nicht dazu gekommen, obwohl ich das Teil schon vor ein paar Wochen kaufte.

    Zusätzliche Anmerkungen von mir:
    – die Gurtbefestigung fand ich nicht schwer
    – dafür klappte es nicht wirklich mit dem Einkleben der Schaumstoffteile ( zu fipselig)
    – entweder bin ich schon zu tadderig oder die Kalibrierung ist noch nicht optimal; häufig gibt es bei mir ein Strichewirrwarr

    Hoffe aber, das noch zu überwinden und dann zu genießen
    Viele Grüße

    Gefällt mir

  2. Pingback: (M)ein kleiner Blog-Rückblick 2016 | astronomisch !

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