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Für mich ein alter Hut, für andere bestimmt noch unbekannt: Verteiltes Rechnen.

Schon etwa 1999 startete ein Projekt namens Seti@Home, was wohl als Urvater des verteilten Rechnens gilt. Es ging und geht dabei um die Suche nach außerirdischer Intelligenz bzw. nach Signalen außerirdischer Intelligenzen durch die Analyse von aufgezeichneten Radioteleskopdaten. Die Datenmengen waren damals so riesig, dass auch Supercomputer diese Arbeit nicht in absehbarer Zeit würden schaffen können. Aber was wäre, wenn man die Rechenleistung von hunderttausenden, wenn nicht gar Millionen Rechnern nutzen könnte, die zu Hause oder sonstwo auf der Welt zumeist mit der Darstellung von Bildschirmschonern beschäftigt sind?

Gesagt, getan. Mit Hilfe eines kleinen Client-Programmes konnte nun jeder bei der Datenanalyse mithelfen. Außerirdische hat man zwar bislang noch nicht gefunden, aber alleine die gesammelte Rechenleistung ist schon sehr beeindruckend: Zwischen 1999 und 2007 hat das zwischenzeitig beendete klassische SETI@home Projekt etwa 2,3 Millionen Jahre Rechenzeit erbracht. In dieser Zeit sind zirka 1,85 Milliarden Resultate von über 5,4 Millionen Benutzern errechnet worden, mit durchschnittlich immer etwa 250000 aktiven Usern. Das Projekt hat zwar keinen Beweis für außerirdische Intelligenz geliefert, aber doch einige Punkte am Himmel ermittelt, die näher analysiert werden sollten.

Wer das Einzelkämpferdasein dabei nicht mag, der kann sich einer der vielen Gruppen anschließen, wie z.B. Seti-Germany. So hat man die Gelegenheit sich und sein Team mit anderen zu vergleichen und sich gegenseitig zu motivieren. Auch ich habe seinerzeit meinen Teil dazu beigetragen und zwischenzeitlich auch ein Team (Seti@Hope) mit über 100 Mitgliedern geleitet.
Meine Seti@Home Teilnehmerurkunde:

Meine Seti@Home Teilnehmerurkunde...

Eine gute Idee findet natürlich auch eine Menge Nachahmer. Immer neue Projekte wurden ins leben gerufen. Die meisten Projekte basieren mittlerweile auf der vereinheitlichten distributed computing Software „Boinc „. Einmal installiert ist sie für verschiedenste Projekte unter Festlegung von Berechnungsprioritäten nutzbar. Die Bandbreite reicht dabei von der Suche nach neuen Primzahlen über divierse Astronomie-Themen bis zur Biotechnologie mit der Unterstützung der Krebsforschung durch Proteinberechnungen.

Hier eine kurze Liste der Projekte mit – mehr oder weniger – astronomischen Hintergrund:

Asteroids@home, Berechnung von Form, Rotationsachse und -periode von Asteroiden im Sonnensystem anhand von Lichtkurven

Einstein@home, Suche nach Hinweisen auf Gravitationswellen von extrem dichten, schnell rotierenden kompakten Sternen

Milkyway@home, Erstellung eines hochgenauen 3D-Computermodell der Milchstraße zu erstellen, wobei die Daten benutzt werden, die vom Sloan Digital Sky Survey erfasst wurden

SETI@home, Suche nach Signalen außerirdischer Intelligenzen

theSkyNet POGS, Erstellung eines Multiwellenlängen-UV/optisch/NIR-Atlas des benachbarten Universums

Universe@Home,verschiedenartige astronomische Problemberechnungen, z.B. Simulation einer Supernova-Simulation

Eine ausführliche Liste mit weiteren Details findet Ihr hier.

Und ja, für´s Auge werden die berechneten Daten auch bei Bedarf als Screensaver dargestellt. DIe Darstellung ist dann Projektabhängig:

einsteinscreensaver2 setiathome

Ursprünglich wurden „nur“ ungenutzte Prozessorressourcen verwendet. Da diese aber von den Rechenkernen moderner Grafikkarten überholt wurden, hat man nun auch die Grafikkarten mit in die Berechnung integriert, was die Analysen deutlich beschleunigt.

Es gibt jedoch auch eine Kehrseite: Den Stromverbrauch. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er seinen PC in den Schlafmodus schickt, oder 150 Watt – je nach Systemausstattung/Grafikkarte auch deutlich mehr – dauerhaft verbrät und somit seine Stromrechnung nicht unwesentlich beeinflusst…

Interessiert? Dann startet HIER!