NASA / esa – und sonst? – Eine Menge!

 

NASA / esa – und sonst? – Eine Menge!

 

Denkt man an das Thema Raumfahrt, so kommt einem wohl meist recht schnell auch die NASA in den Sinn. Da in den Medien aktuell sehr präsent, kennt man auch das kommerzielle Unternehmen Space X. Als Europäer ggf. auch noch die esa. Als deutscher Staatsbürger kennt man vielleicht das DLR. Die Bedeutung für diese Abkürzungen kennen dann auch schon deutlich weniger Leute, aber dann hört es meist auch schon auf.

OK, die „Russen“ machen auch noch was. Aber was? Und die Chinesen? Und sonst? Diese Fragen habe ich mir selbst auch gestellt. Die „sonstigen“ nationalen Raumfahrt-Organisationen kommen in der allgemeinen Presse ja nur selten vor. Im diesem Blog-Beitrag habe ich daher mal einige Informationen zusammengetragen, um eine kleine Übersicht zu erstellen, welche Raumfahrtorganisationen es sonst noch gibt, und was diese aktuell so treiben.

Schnell habe ich gemerkt, dass da doch deutlich mehr Organisationen aktiv sind, als ich dachte. Ich denke daher, ein Blick über den meist westlich orientierten Tellerrand kann nicht schaden. Der folgende Inhalt soll nur einen groben Überblick geben, und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – weder quantitativ noch inhaltlich.  Während des Schreibens dieses Blog-Betrages ist mir der Umfang klarer geworden. Auch die aktuelle Dynamik, nicht zuletzt durch die privaten Organisationen, und dem fast flächendeckenden Fernziel: Mars befeuert, wird mich wohl dazu bringen, dem Thema künftig wohl einen eigenen Blog-Bereich widmen. Beginnen werde ich dennoch mit den bekannteren Organisationen.

Organisation: NASA

Land: U.S.A.
Raumhäfen: Cape Canaveral Air Force Station, Kennedy Space Center, Vandenberg Air Force Base, Wallops Flight Facility
Aktuelle Raketensysteme: Atlas, Delta, Titan
Raumstation: ISS
Zukunft / Aktuelles Großprojekt: ISS, SLS / Orion -> Mondlandung -> Mars
Raumfahrer: Astronauten

Die NASA sagt über sich selbst:
Die Vision der NASA: Wir greifen nach neuen Höhen und offenbaren das Unbekannte zum Wohle der Menschheit.
Tausende von Menschen arbeiten seit Jahrzehnten auf der ganzen Welt und versuchen, einige grundlegende Fragen zu beantworten. Was ist da draußen? Wie kommen wir dorthin? Was werden wir finden? Was können wir dort lernen oder lernen, indem wir versuchen, dorthin zu gelangen, um das Leben hier auf der Erde verbessern?

Aktuell:
Nach dem Ende des Space-Shuttle Programms hat die NASA keine eigenen Raumtransporter mehr im Portfolio. DIe Versorgung der ISS wurde daher an andere Organisationen abgegeben. Die US-Raumfahrtbehörde NASA, die National Aeronautics and Space Administration, will aber möglichst bald wieder Menschen auf den Mond bringen. Das aktuelle Fernziel ist danach der Mars. Umgesetzt werden soll das Ganze mit dem neuen SLS (Space Lauch System) und der Orion-Kapsel, an der auch die ESA beteiligt ist. Diesem Thema habe ich bereits einen eigenen Beitrag gewidmet: https://astronomisch.wordpress.com/2016/12/29/sls-und-orion-bis-zum-mond-und-noch-viel-weiter-technik-und-status/

 

Organisation: ESA
Land: „Europa“ Details – siehe Text
Raumhafen: Guiana Space Center, auch Raumfahrtzentrum Guayana, bei Kourou
Aktuelle Raketensysteme: Ariane, Vega
Raumstation: ISS
Zukunft / Aktuelles Großprojekt: Orion Service Modul (ESM), ISS, Ariane (v6 ab ca. 2020), ExoMars
Raumfahrer: Astronauten

Die esa sagt über sich selbst:
Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) ist Europas Tor zum Weltraum.
Ihre Aufgabe ist es, die Entwicklung der Raumfähigkeiten Europas zu gestalten und dafür zu sorgen, dass die Investitionen im Weltraum den Bürgern Europas und der Welt weiterhin Vorteile bringen.

An der esa (European Space Agency) sind folgende Länder beteiligt:
Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Italien, Niederlande, Schweden, Schweiz, Spanien, Irland, Norwege, Österreich, Finnland, Portugal, Griechenland, Luxemburg, Tschechien, Rumänien, Polen Estland, Ungarn.
Zukünftige Missionen:
http://www.esa.int/About_Us/Welcome_to_ESA/Future_activities_of_the_European_Space_Agency
http://www.esa.int/Our_Activities/Operations/Current_and_future_missions

Auch die esa möchte weiterhin zum Mars. Die ExoMars Missionsreihe wird fortgesetzt und 2020 soll ein esa-Rover in Kooperation mit ROSKOSMOS (folgt..) zum Mars Starten.

 

Organisation: ROSKOSMOS
Land: Russland
Raumhafen: Baikonur, Plessezk, Wostochny, weitere
Aktuelle Raketensysteme: Soyuz, Proton, Angara (in Entwicklung)
Raumkapsel/Transporter: Soyuz/Progress
Raumstationen: aktuell ISS, früher Saljut 1-7, Kosmos 557, Mir
Raumfahrer: Kosmonauten

ROSCOSMOS  sagt über sich selbst:
ROSCOSMOS ist eine staatliche Gesellschaft, die im August 2015 gegründet wurde, um eine umfassende Reform der russischen Raumfahrtindustrie zu überwachen und umzusetzen.
ROSCOSMOS sorgt für die Umsetzung des Weltraumprogramms der russischen Regierung und ihrer gesetzlichen Bestimmungen. ROSCOSMOS erteilt außerdem Aufträge für die Entwicklung, Herstellung und Lieferung von Weltraumgeräten und Objekten der Weltrauminfrastruktur.
Die staatliche Körperschaft ist auch für die internationale Raumfahrtkooperation verantwortlich und hat die Aufgabe, die Voraussetzungen für die zukünftige Nutzung von Ergebnissen der Weltraumaktivitäten in der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Russlands zu schaffen.

Für die russische Raumfahrbehörde ROSKOSMOS ist die Erforschung des Mondes eines der Hauptziele. Bis 2030 will Moskau einen Kosmonauten zum Erdtrabanten schicken. Zuvor sollen jedoch mehrere Sonden den Mond erkunden. Der bekannteste russische Raumhafen ist Baikonur. Dieser liegt jedoch nicht in Russland, sondern in Kasachstan. Russland zahlt für die Nutzung des Raketenstartplatzes in Baikonur jährlich rund 200 Mio. Euro an Kasachstan.

Aktuell wird ein neuer Raketentyp, die Angara, entwickelt. Diese Schwerlastrakete soll die Proton ersetzen. Bereits geplante bemannte Starts wurden verschoben, aktuell ist mit einer aktiven Nutzung der Angara etwa 2025 zu rechnen. Weiterhin soll etwa 2025/2030 eine neue Raumstation in Erdorbit erbaut werden. Ob diese international erstellt und betrieben wird, oder doch in Eigenregie – das steht noch in den Sternen. Ggf. werden diese Pläne aber auch zugunsten des “Deep Space Gateway“ aufgegeben. Hierzu ein andermal mehr…

 

Organisation: CNSA
Land: China
Raumhafen: Kosmodrome Jiuquan, Xichang, Taiyuan, Wenchang
Aktuelle Raketensysteme: Langer Marsch 3-5
Raumkapsel/Transporter: Shenzhou
Raumstationen: Tiangong 1 (kurz vor Absturz), Tiangong 2, Tianhe (Baubeginn 2018)
Raumfahrer: Taikonauten

Am 14. Dezember 2013 erfolgte mit Chang’e-3 die erste unbemannte Mondlandung des chinesischen Mondprogramms. Ein Mondrover mit Namen Yutu (Jadehase) war drei Monate lang auf der Mondoberfläche unterwegs. CHINAs CNSA (China National Space Administration) will im November 2017 eine zweite Mond-Sonde auf den Erdtrabanten schicken. Die Mission von Change 5 soll ein Landefahrzeug auf dem Mond abzusetzen, Proben sammeln und diese zurück auf die Erde zu bringen. Eine weitere Mondmission, die verspätete Change 4 ist für das Jahr 2018 geplant. Auch eine bemannte Mission zum Mond ist für die Jahre danach auf der ToDo Liste.
Webseiten:
http://www.cnsa.gov.cn/
http://www.cnsa.gov.cn/n6443408/index.html (völlig anderes Layout, 2016?!)

Neu entwickelt wurde kürzlich die Rakete Langer Marsch 5, eine Rakete mit einer Nutzlast von 25 Tonnen. Weiterhin bereits in Planung:  Langer Marsch 6 und Langer Marsch 7. Bis zum Jahr 2030 plant China den Start von 9 bis 10 Sonden zur Erforschung des Sonnensystems. Vorgeschlagen sind Orbiter, Lander und Rover für den Mars, sowie eine spätere Sample Return Mission, Orbiter für Venus und Jupiter und eine Sample Return Mission zum Zwergplaneten Ceres.

Bemannte Raumfahrt:

Die nächsten Ziele in der bemannten Raumfahrt sind die Errichtung einer bemannten Raumstation und eine bemannte Landung auf dem Mond. Zusätzlich zu den 12 Taikonauten, die 1998 ausgewählt wurden, wird eine weitere Gruppe von sieben Raumfahreranwärtern (fünf Männer und zwei Frauen) ausgebildet. Außerdem läuft derzeit noch ein weiterer Auswahlprozess, der noch 45 Kandidaten in der engeren Wahl hat, aus denen eine weitere Taikonautengruppe gebildet wird.

Errichtung einer Raumstation

An der Internationalen Raumstation ISS ist China, auch wegen Bedenken der USA, nicht beteiligt. Jedoch hat China eigene Raumstationen mit dem Namen Tiangong 1 und 2.
Tiangong 1 wird jedoch voraussichtlich zwischen Ende Dezember 2017 und Ende Februar 2018 abstürzen. Die Raumstation Tiangong 2 wurde im September 2016 gestartet und von der Besatzung von Shenzhou 11 einen Monat lang betrieben. Geplant ist eine große modulare Raumstation „Tianhe“ , die ab 2018 aufgebaut werden soll.

 

Organisation: ISRO
Land: Indien
Raumhafen: Satish Dhawan Space Centre (SHAR)
Aktuelle Raketensysteme: GSLV
Raumfahrer: Vyomanaut

Die ISRO sagt über sich selbst:
Indien entschied sich, in den Weltraum zu gehen, als das indische Nationalkomitee für Weltraumforschung (INCOSPAR) im Jahr 1962 von der Regierung Indiens gegründet wurde. Im Laufe der Jahre hat die ISRO ihre Mission bekräftigt, dem Gemeinwohl der Nation zu dienen. Dabei ist es eine der sechs größten Raumfahrtagenturen der Welt geworden

INDIEN wird in absehbarer Zeit wohl keine Menschen auf den Mond schicken. Trotzdem hat die Weltraumagentur ISRO (Indian Space Research Organisation) eigene Pläne mit dem Erdtrabanten. Bereits 2008 landete eine indische Sonde auf dem Mond, 2018 soll erstmals ein Roboterfahrzeug folgen.

Orbiter zu Mond und Mars

Ein erster Erfolg war am 22. Oktober 2008 der Start der Mondsonde Chandrayaan-1. Sie umrundete den Erdtrabanten als Mondorbiter mehr als 3400 Mal und sandte zahlreiche Messdaten und Fotos zur Erde. Ende August 2009 brach jedoch der Funkkontakt ab.

Am 5. November 2013 startete der Marsorbiter Mars Orbiter Mission mit einer PSLV-XL-Rakete und erreichte am 24. September 2014 den Mars.

Weitere und zukünftige Aktivitäten

Ende 2005 begann die ISRO mit Bodentests neu entwickelter kryogener Trägerraketen (mit flüssigem Sauerstoff und Wasserstoff). Im Zentrum stand zunächst die Oberstufe der GSLV-Rakete für Starts in eine geostationäre Umlaufbahn. Der erste Start einer GSLV war zwar schon 2001 erfolgt, jedoch noch mit der russischen Oberstufe 12KRB. Indien verfügt nun nach USA, Europa, China, Russland und Japan ebenfalls über kryogene Raketentechnologie. In Vorbereitung befindet sich ein Test einer Rückkehrkapsel.

Inzwischen ist die indische Raumfahrt unabhängiger von ausländischer Technik, was auch die Entwicklung der großen GSLV-Mk-III-Rakete zeigt. Mit über 600 Tonnen Startgewicht hat sie fast die Dimensionen einer Ariane 5 und sieht auch so ähnlich aus. Sie hat jedoch nur die halbe Nutzlast einer Ariane 5, wird aber auch weniger als die Hälfte kosten. Geschätzt wird, dass Indien im Jahr 2020 eigene Astronauten mit einer eigenen Rakete in den Weltraum bringen könnte.

 

Organisation: SpaceX
Land: U.S.A
Raumhafen: Cape Canaveral Air Force Station, Kennedy Space Center, Vandenberg Air Force Base
Aktuelle Raketensysteme: Falcon 9, Falcon Heavy
Raumkapsel/Transporter: Dragon, Dragon V2 (2018)
Raumfahrer: – Noch gibt es keine bemannten Flüge von SpaceX

O-Ton der eigenen Webseite:
SpaceX entwirft, fertigt und startet fortschrittliche Raketen und Raumfahrzeuge. Das Unternehmen wurde 2002 gegründet, um die Weltraumtechnologie zu revolutionieren, mit dem Ziel, Menschen auf anderen Planeten zu leben.

SpaceX ist eine private Firma, die 2002 von CEO und Lead Designer Elon Musk gegründet wurde. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 5.000 Mitarbeiter am Hauptsitz in Hawthorne, Kalifornien. Schaut man sich die Webseite von SpaceX an, so wird schnell klar, dass SpaceX keine Behörde ist. Hier geht es auch nicht um Forschung, nicht wirklich jedenfalls. SpaceX ist Kommerz. Die Webseite ist hochglanzpoliert und klar auf den Verkauf der eigenen Produkte ausgelegt.
SpaceX ist derzeit auf Transportflüge ausgerichtet. Alleinstellungsmerkmal ist hier sicherlich die wiederverwendbare (weil selbständig und aufrecht landende) Haupt-Raketenstufe, sowie – nach eigenen Angaben -die derzeit mit Abstand leistungsfähigste Rakete der Welt seit SaturnV- die Falcon Heavy:
Ihre erste Stufe besteht aus drei Kernen von Falcon 9, Nur die Saturn-V-Mondrakete, zuletzt 1973 geflogen, lieferte mehr Nutzlast in die Umlaufbahn. Die Falcon Heavy wurde von Anfang an darauf ausgelegt, Menschen in den Weltraum zu befördern und die Möglichkeit zu schaffen, Missionen mit der Besatzung auf den Mond oder den Mars zu fliegen. Neben dem Kommerziellen Erfolg ist letzteres das erklärte Ziel von Elon Musk.

Aufträge für Ihren eigenen Bemannten Flug bitte an: sales@spacex.com

 

Ausblick:

Anstehende Ergänzungen dieses Artikels: CSA (Kanada), DLR (Deutschland), Virgin Galactic

 

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Termin: 12.11.2014 – Erste Landung auf einem Kometen

Photo: ESA

Photo: ESA

Erinnert Ihr Euch noch an Giotto? Am 13.03.1986 hatte die erste interplanetare Raumsonde ein Rendezvous mit dem Kometen Halley. Es war eines der ersten Astro-Ereignisse, die ich nachts im Fernsehen mitverfolgen durfte (Danke dafür an meine Eltern 😉 ).

Nun geht die europäische Weltraumorganisation „esa“ (Nein, mal nicht die NASA!) noch einen Schritt weiter. Rosetta, die aktuelle Kometensonde der esa, befindet sich nun schon seit ein paar Tagen beim Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko.
Am 12. November 2014 wird dann die Landeeinheit „Philae“ auf den Kometen aufsetzen und sich dort zur durchführung von weiteren Analysen festkrallen.
Viel Glück!

Websiten der esa zum Thema:
http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Science/Rosetta

Wo ist Rosetta? Schöne animation:http://sci.esa.int/where_is_rosetta/